
GRÜNE Brachttal
Gemeindevorstände ziehen Bilanz und blicken voraus
Im November 2025 kam es zu einem Paukenschlag in der Brachttaler Kommunalpolitik. Die vier amtierenden Gemeindevorstände Anna Leo (AL), Roland Tschietschker (RT), Dieter Weber (DW) und Ursula Kaiser (UK), die zuvor für CDU, SPD und FW aktiv waren, schließen sich für die kommende Gemeindewahl der Liste der GRÜNEN an. Hier berichten sie von ihrer Arbeit und ihren Plänen für die Zukunft.
Wie sah die Arbeit in den letzten Jahren im Gemeindevorstand für euch aus?
AL: Unsere Arbeit besteht darin, verlässlich und verantwortungsvoll die Daseinsfürsorge der Gemeinde zu ermöglichen. Der Bürgermeister und das Rathaus bereiten Beschlüsse und Projekte vor, die wir dann auf den Weg bringen. Seit Beginn unserer Legislatur 2021 unter Bürgermeister Zimmer haben wir eine Menge Projekte und Verbesserungen für die Bürgerinnen und Bürger umgesetzt, die über die Jahre vor uns und BGM Zimmer liegengeblieben sind.
UK: Brachttal war eine Rettungsschirmkommune. Hier durfte kein Bleistift ohne Antrag gekauft werden. Wir sind stolz darauf, dass unsere Arbeit dazu beigetragen hat, dass wir heute einen ausgeglichenen Haushalt haben. Deshalb gibt es auch wieder Spielräume für die Jugendarbeit oder die Unterstützung unserer Vereine.
RT: Das wir unsere Schulden, die sich auf rund 8 Millionen Euro beliefen, durch die Hessenkasse tilgen konnten und handlungsfähig sind, ist ein Verdienst der aktuell politisch Verantwortlichen. Wir arbeiten daran, den über Jahrzehnte aufgelaufenen Investitionsstau abzuarbeiten. Wir können nicht mehr Geld ausgeben, als wir haben. Sonst steigen die Abgaben für die Bürger.
Was sind Projekte, die in den letzten Jahren gelaufen sind?
DW: Die Kommune Brachttal ist wieder ein guter Arbeitgeber. Mit der Sanierung des Rathauses und der Modernisierung der Arbeitsplätze für die Mitarbeitenden haben wir ein Arbeitsumfeld geschaffen, das uns zu einem Arbeitgeber auf Augenhöhe mit umliegenden Kommunen macht.
AL: Wir haben uns vornehmlich auf die marode Infrastruktur konzentriert. Brachttal leistet sich mit sechs Feuerwehren und DGHs eine sehr große Infrastruktur. Diese zu modernisieren, kostet viel Arbeit und Geld. Gleiches gilt für die Sanierung der Abwasserkanäle und Hochwasserbehälter. Das sind Arbeiten, die für Bürgerinnen und Bürger oft nicht zu sehen sind. Trotzdem freuen sich alle, dass wir in Brachttal das Wasser aus der Leitung trinken können, die DGHs attraktive Treffpunkte sind und das Ehrenamt der Feuerwehren gut ausgestattet für unsere Sicherheit sorgt.
RT: Das Dorfenwicklungsprogramm IKEK ist ein Meilenstein für Brachttal. Durch die Zusammenarbeit mit einem Fachbüro konnten wir wichtige Orte in Brachttal identifizieren, die die Gemeinschaft fördern und auf deren Modernisierung wir in den nächsten Jahren einen Fokus legen werden: die Ertüchtigung der MZH Neuenschmidten, Umfeld DGH Streitberg und Herrichtung der Alten Schule Hellstein, sowie Sanierungszuschüsse für Private, machen Brachttal attraktiv. Das wäre ohne die Einwerbung von Drittmitteln, was die Verwaltung mittlerweile gut macht, nicht möglich.
UK: Ich denke, dass unsere Zusammenarbeit zeigt, wie ohne parteipolitischen Klüngel und Spielereien das Wohl der Gemeinde im Vordergrund steht. Auch wenn nicht alles, was wir uns vorgenommen haben, funktioniert hat. Es ist viel und bleibt viel zu tun. Gerade mit Blick auf grüne Themen, die wir in der kommenden Legislatur nach vorne bringen möchten.
Was sind das für Themen und Projekte, die ihr plant?
DW: 80% der Fahrten des Bürgerbusses finden zu Ärzten statt. Das wird sich kurzfristig auch nicht ändern. Die Menschen in Brachttal haben ihre Ärzte in den umliegenden Gemeinden und eine unserer Aufgaben als Kommune ist es, dass sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Angeboten wie dem Bürgerbus dorthin kommen.
RT: Als Fahrer des Bürgerbusses merke ich, dass die Nachfrage gestiegen ist. Ein weiteres E-Auto würde sich auch gut in die Klimaschutzstrategie der Gemeinde einfügen. Wir beziehen bereits grünen Strom für alle gemeindlichen Einrichtungen. Nun möchten wir in die Breite gehen und ein Klimaschutzmanagement etablieren, das gemeindliche Flächen umfasst.
UK: Ich möchte eine Welt hinterlassen, auf der meine neun Enkelkinder weiterhin leben können. Wir versprechen uns viel davon, dass wir Angebote schaffen, in denen jung und alt sich austauschen. Die Jungen zeigen den Alten, wie das neue Smartphone funktioniert und andersherum zeigen die Alten den Jungen, wie man kocht. Mit unseren gut ausgestatteten DGHs haben wir auch die Orte, an denen dieser Austausch stattfinden kann.
AL: Ich lebe gerne in Brachttal und freue mich über jede Blume und jedes Grün in der Gemeinde. Das möchten wir mit mehr Blühflächen fördern. Dank der Zusammenarbeit mit Fachbüros und Fachleuten schaffen wir es, dass unsere Projekte fristgerecht und in dem Finanzierungsrahmen, den der Haushalt vorgibt, umgesetzt werden. Die Instandsetzung der Brücke zur Schächtelburg ist ein Beispiel dafür, wie durch vorausschauende Planung Gelder, in diesem Fall rund eine halbe Millionen Euro, weniger ausgegeben werden können. Für mich ist wichtig, dass wir weiterhin eine verlässliche Politik machen.
DW: Das war lange Zeit in Brachttal nicht so und ist ein großer Verdienst des Bürgermeisters, der Verwaltung und des aktuellen Gemeindevorstandes, die so gut zusammenarbeiten, wie ich es in meinen 50 Jahren kommunalpolitischer Arbeit und unter keinem der anderen fünf Bürgermeister erlebt habe.
Kurzbios
Anna Leo ist seit 2016 Mitglied des Gemeindevorstandes. Die Hellsteinerin saß zunächst für die CDU, seit 2021 parteilos, im Vorstand. Nun kandidiert die Expertin für kommunale Finanzen und Bauen auf Listenplatz 1 der Grünen.
Roland Tschietschker: Das ehemalige CDU-Mitglied ist seit 25 Jahren in der Kommunalpolitik aktiv, davon 15 Jahre im Gemeindevorstand. Da sein Herz immer grün schlug, ist er nun auf der Liste der GRÜNEN zu wählen.
Uschi Kaiser: Die Streitbergerin zog bei der letzten Wahl für die FW in den Gemeindevorstand ein, distanzierte sich mit ihrem Austritt von der Unruhe in der Partei und hat bei den GRÜNEN nun ihre neue politische Heimat.
Dieter Weber hat fünf Bürgermeister als Mitglied des Gemeindevertretung und seit 2021 im Gemeindevorstand erlebt. Da er mit der politischen Herangehensweise seiner Partei SPD nicht einverstanden ist, kandidiert er nun auf der Liste der GRÜNEN.
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